Interview mit Tanya Husak Sotomayor, Physiotherapeutin |
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Frau Husak Sotomayor war seit September 2006 über einen Zeitraum von sechs Monaten maßgeblich an einer von Frau Susanna Freivogel im Hegau-Jugendwerk in Gailingen am Hochrhein geleiteten Studie mit dem LokoHelp beteiligt. Die mittlerweile abgeschlossene Studie untersucht den Therapieerfolg durch die Laufband-Lokomotionstherapie und mit dem Gangtrainer LokoHelp bei Patienten mit zentralen und spinalen Paresen.
![]() Frage: Tanya, Sie sind eine der ersten Physiotherapeuten, die die Gelegenheit hatte, mit dem LokoHelp zu arbeiten. Wie war Ihr erster Eindruck? Tanya: Während meiner bisherigen Tätigkeit habe ich die manuell unterstützte Laufband-Therapie erlebt, die für mich mit einer unbequemer Haltung und körperlichem Einsatz verbunden war. Ich hatte auch Gelegenheit, einmal den Lokomaten in der Praxis zu sehen. Als ich den LokoHelp zum ersten Mal sah, war ich ehrlich gesagt, ein wenig skeptisch. Allerdings war dies tatsächlich nur der erste Eindruck. Ich bin wirklich erstaunt, dass ein so einfaches mechanisches Gerät den Patienten solch einen effektiven Nutzen bringt.
Frage: Der LokoHelp ist ja zur Behandlung nicht gehfähiger Patienten entwickelt worden. Wie war Ihre erste Erfahrung in der klinischen Anwendung? Tanya: Ich habe die wirklich schwer behinderten Patienten gesehen und konnte mir kaum vorstellen, dass ich es in den vorgegebenen 45 Minuten schaffe, die Patienten auf das Laufband und den LokoHelp zu bringen und dann auch noch ausreichend Zeit habe, das Training durchzuführen. Erfreulicherweise ging es aber sehr schnell, bis ich mit dem Gerät und seiner Handhabung vertraut war, und ich war positiv überrascht, wie viel „Netto“-Therapiezeit ich tatsächlich zur Verfügung zu hatte, um die Gehfähigkeit der Patienten zu trainieren.
Frage: Wie haben die Patienten reagiert? Tanya: Ich hatte zu Beginn ein wenig Bedenken, dass einige Patienten nicht in der Lage sein würden ohne Angst mit dieser neuen Situation umzugehen. Aber ich war selbst sehr verblüfft, wie schnell die Patienten angefangen haben, die Behandlung zu genießen. Nachdem die Patienten das Gerät kennengelernt hatten, konnten alle Patienten bereits nach wenigen Therapieeinheiten, einige schon während der zweiten Einheit, aktiv mitarbeiten. Die Patienten wussten schnell, um was es geht und was sie machen müssen.
Frage: Können Sie uns klinische Ergebnisse berichten? Tanya: Manche Patienten bei uns sind schwerst betroffen. So schwer, dass für mich nicht vorstellbar war, dass sich durch Therapie große Veränderungen bewirken lassen. Tatsächlich haben wir aber auch bei diesen Patienten Veränderungen sehen können, die übereinstimmend auch vom Pflegepersonal und den Angehörigen wahrgenommen wurden. Auch wenn bei diesen Patienten eine Gehfähigkeit nicht erreicht wurde, führte die LokoHelp-Therapie doch zu einer Erleichterung der Pflege und dadurch zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und Betreuern. Bei leichter beeinträchtigten nicht gehfähigen Patienten, haben wir nach der Behandlungsserie im LokoHelp eine Verbesserung der Gehfähigkeit bis hin zum selbständigen unabhängigen Gehen, beobachten können.
Frage: Können Sie uns von einem für Sie besonders beeindruckenden Fall berichten? Tanya: Ich hatte das Glück, eine Patientin zu erleben, die sich von einer absolut unselbständigen und abhängigen körperlichen Situation hin zu selbständigeren aktiven Funktionen entwickelt hat. Frau K. Manuela konnte anfänglich nicht auf dem Laufband therapiert werden. Statt alternierend ein Bein zu be- und entlasten zeigte sie ein „bipedales Hüpfmuster“. Nicht möglich war es auch wegen extremer Angst- und Abwehrreaktionen im Sitzen oder Stehen Gleichgewichtsanforderungen zu trainieren. Durch die Therapie mit dem LokoHelp ist sie nun in der Lage auch auf dem Laufband alternierend ein Bein zu belasten und entlasten und so Stand- und Spielbeinphase zu üben. Zudem hat sich die muskuläre Kraft deutlich verbessert, so dass es ihr schon während des LokoHelp-Trainings möglich war, auch posturale Anforderungen zu bewältigen. Heute kann Frau K. Manuela 300 Meter mit einem Rollator gehen, braucht wegen der erheblichen Defizite in der posturalen Kontrolle jedoch noch die Unterstützung einer Hilfsperson. Und ein weiterer Patient, Herr B., hat seit 2 Jahren eine inkomplette Querschnittlähmung durch eine Rückenmarkverletzung auf Höhe T2. Er hat sich nie richtig mit seiner Behinderung auseinandergesetzt. Seine Worte waren immer „ich gehe erst hier raus, wenn ich wieder gehen kann“. Herr B. wurde zuerst 20 x mit dem Laufband therapiert und anschließend mit dem LokoHelp. Auch nach 14 Therapieeinheiten auf dem LokoHelp zeigte sich keine nennenswerte Verbesserung seiner Gehfähigkeit. Das war für mich doch enttäuschend, zumal all die anderen Patienten so deutliche Verbesserungen gezeigt hatten. Irritierend für mich war auch, dass der Reflex, der während des LB-Trainings auslösbar war, im LokoHelp nicht ausgelöst werden konnte. Die Rücksprache mit. Frau Freivogel, der leitenden Physiotherapeutin, hat ergeben, dass das Training vorgesetzt und darauf geachtet werden sollte, dass die Grundlagen der Lokomotionstherapie weiterhin beachtet werden. Damit ist gemeint, dass durch die Hüftextension und die Belastung die Reflexe zur Aktivierung von Stand- und Spielbeinphase auslöst werden. Völlig erstaunt war ich, dass Herr B. nach der 16ten Behandlung mit dem LokoHelp anfing mit Stöcken zu gehen. Er ist jetzt in der Lage selbständig mit Stöcken zu gehen. Seine Knie müssen dabei mit Schienen passiv in Streckung fixiert werden. Er ist so glücklich darüber. Heute sagt er: „Jetzt bleib ich.“ Ich spüre, dass der ideale Reflex kommt und dass das Bein eine Streckung macht. Ich habe Herrn B. dann im LokoHelp unabsichtlich falsch hingestellt, so dass er mit seinem schwächeren Bein in der Standbeinphase beginnt, und nach der Gewichtabnahme hat der Herr B. das Bein tatsächlich aktiv gestreckt. Das war wirklich eine große Überraschung! Insgesamt hat er 2 Monate intensiv trainiert. Er hatte zusätzlich zur LB / LokoHelp – Therapie auch Krafttraining für die Arme und hat Gehen mit Orthesen im Barren geübt. Der LokoHelp half ihm meiner Ansicht nach, neben der Kräftigung der Beinmuskulatur seine auch die Hüftstabilität zu verbessern, so dass er jetzt in der Lage ist mit Unterarmgehstöcken und Schienen selbständig auch draußen zu gehen. Frage: Wie beurteilen Sie das Gangmuster im LokoHelp? Tanya: Ich würde sagen, wie ich es zu all den Angehörigen unserer Patienten sage: „Sieht nicht 100%ig aus wie das „normale“ Gangmuster, aber es hat alle zentralen Komponenten um das Gehen zu trainieren.“
Vielen Dank, Tanya, für das interessante und aufschlussreiche Gespräch. |








